WFSWilhelm-Foerster-Sternwarte mit Planetarium am Insulaner, Berlin

Historie der WFS

Die 40er Jahre

Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte wird 1947 von H. Mühle und H.Rechlin (+ 16.11.1952) als Wilhelm-Foerster-Institut (Sternwarte Berlin-Süd) begründet. Als offizielle Gründung gilt die Erteilung des Gewerbescheins durch die Alliierte Kommandatur am 15.10.1947 für Hans Mühle und Hans Rechlin. Der erste Standort der Sternwarte war das Kasino des ehemaligen Generalkommandos in der Ruine Papestr. 2 in Berlin-Schöneberg.
Die Namensgebung "Wilhelm-Foerster-Institut" geht zurück auf Studienrat R.Sommer. Sommer war langjähriger Leiter des Planetariums am Bahnhof Zoo und der Archenhold Sternwarte bis 1944. Er war Schüler von Wilhelm Foerster, dem Direktor der Berliner Sternwarte (1864-1903) und Mitbegründer der ersten Berliner Volkssternwarte (URANIA 1888).

15.10.1947 Gründung des Wilhelm-Foerster-Institut (Sternwarte Berlin-Süd) durch Erteilung des Gewerbescheins durch die Alliierte Kommandatur.
Oktober 1947 Abtragen der Trümmer in der Ruine Papestr.2 beginnt.
Frühjahr 1948 Bau der ersten Fernrohre beginnt.
1948 Errichtung einer großen Plattform im Vorhof durch den Jugendnoteinsatz des Bezirkes Tempelhof. Drei Instrumente werden fest darauf aufgestellt.
Ab Oktober 1948 Auf Veranlassung des Amtes für Jugendförderung (Bezirk Tempelhof) finden mittwochs Sternwartenführungen für Jugendliche statt.
1949 Petroleumbeleuchtung wird durch elektrische Beleuchtung abgelöst. (Spende der Firma Walter Kuhlmey.)
Ab August 1949 Das Beobachtungsbuch wird eingeführt. In ihm werden seitdem alle astronomischen Beobachtungen der Mitglieder aufgezeichnet.
Oktober 1949 Die astronomische Arbeitsgemeinschaft der Archenhold-Sternwarte und die Astronomiekurse der Volkshochschule Tempelhof werden ins Wilhelm-Foerster-Institut verlegt.
Hier sind u.a. tätig: E.Mädlow, E.Pocher, E.Pohl und A.Voigt.
Oktober 1949 Der Verein hat jetzt 35 Mitglieder.
16.10.1949 Die Sternwarte wird der breiten Öffentlichkeit erstmals mit einem Beitrag in der Wochenschau vorgestellt. (Aufnahmen vom 13.09.1949)

Bis 1950 hat die Sternwarte bereits 11.600 Besucher.

Nach der Enttrümmerung entstehen bis 1950:

  • 1 Vortragsraum für etwa 40 Personen
  • 1 Büro mit Bibliothek
  • 1 Fotolabor (eingerichtet von A.Voigt)
  • 1 Werkstatt
  • 1 Ausstellungsgang

    Instrumentenbestand bis 1950:
    130 cmNewton-Spiegelf=2500 mm(geschliffen von Grandt)
    120 cmRefraktorf=2650 mm(geschliffen von Grandt)
    118 cmSpiegelf=1800 mm(geschliffen von Grandt)
    110 cmRefraktorf=1100 mm(Optik von Steinheil)
    16,8 cmRefraktorf=980 mm(Optik von Merz)
    112,5 cmAstrographf=500 mm(Objektiv von Leitz)


    Die 50er Jahre

    1951 Das Institut wird in einen Verein umgewandelt.
    Erster Vorsitzender wird R.Sommer, Zweiter Vorsitzender ist Dr. A.Weber, bekannt auch durch den Weber'schen Fleck auf dem Saturn im Jahr 1933.
    2 Beiräte werden vom Senator für Volksbildung gestellt,
    2 weitere Beiräte werden vom Bezirk Tempelhof entsandt.
    Januar 1951 Abbau des Bamberg-Refraktor (Baujahr 1989) in der Invalidenstraße.
    1951 Aus der astronomischen Arbeitsgemeinschaft geht die BAV hervor.
    1951/52 Der Verein erhält erstmalig 2.500 DM als Zuwendungen des Senats.
    01.01.1952 Die erste Ausgabe der Mitteilungen der WFS.
    1952/53 Der Zuschuß des Senats steigt auf 22.500.- DM
    01.01.1952 Der Gesamtbestand der Bibliothek beträgt 500 Bände sowie 1.000 DIAs.
    September 1952 Aufbau des Fundaments für den Bamberg-Refraktor beginnt in der Papestraße.
    01.11.1952 Gründung einer Geschäftsstelle des VdS in der WFS.
    31.12.1952 Bereits 54.000 Besucher auf der Sternwarte (15.10.47 - 31.12.52)
    08.06.1953 Konstituierende Mitgliederversammlung:
    Der jetzige Verein Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. wird gegründet.
    Erster Vorsitzender ist R.Sommer, Zweiter Vorsitzender Dr. Anton Weber, Schriftführer ist H.Mühle.
    In den Beirat werden gewählt: Brenske, Hackbarth, Köhler und Rietenbach. Dazu kommen Oberschulrat Rabau, Stadtschuldirektor Dr. Groß, Bezirksstadtrat Hohmeyer sowie der Leiter der Volkshochschule Tempelhof, Dr. Gubeck.
    05.09.1953 Eintrag ins Vereinsregister.
    1954 Kauf des Schreiberrefraktors für 2.900.- DM. Er wird noch bis 1965 in der 6-Zoll-Kuppel eingesetzt und dient heute als Leitfernrohr für den 12-Zoll Bamberg-Refraktor. Führungen machte um diese Zeit u.a. R. Wielen, heute Professor und Leiter des astronomischen Recheninstitut in Heidelberg.
    August 1953 H.Mühle wird im Vorstand durch H.B.Brenske ersetzt. H.Mühle wird technischer Mitarbeiter mit festem Gehalt, E.Mädlow wird wissenschaftlicher Mitarbeiter.
    15.02.1954 Der Verein hat jetzt 75 Mitglieder.
    30.06.1954 Erste Sonnenfinsternisexpedition unter Leitung von Edgar Mädlow nach Schweden. Mit dabei die Herren Sommer, Brenske und Lichtenknecker.
    1955 Die WFS führt jetzt an 5 Abenden Sternwartenführungen durch.
    25.10.1955 Der 12-Zoll-"Urania-Refraktor" wird in "Bamberg-Refraktor" umgetauft.
    31.03.1956 Die Gruppe Berliner Mondbeobachter wird gegründet. Sie trifft sich seit nunmehr über 41 Jahren regelmäßig zu ihren Sitzungen und ist damit die langlebigste alle amateurastronomischen Arbeitsgruppen.
    25.05.1957 Der Verein hat jetzt 112 Mitglieder.

    Instrumente ab November 1955
    Bamberg-Refraktor
    Objektiv
    Gesamtgewicht
    Objektiv mit Fassung
    Rohr
    Achsen
    Lager
    Gegengewichte

    31,4 cm Durchmesser
    4357 kg
    26,9 kg (einfaches Silikat-Glas)
    402 kg
    251,9 kg
    634,9 kg
    925,8 kg

    Der Bambergrefraktor war zuvor das Hauptinstrument der ehemaligen URANIA und wird es jetzt für die WFS.
    Bis hierhin war das Hauptführungsinstrument der 7-Zoll (=17,5 cm)-Refraktor, der heute auf der Plattform der Wilhelm-Foerster-Sternwarte steht (f=2650 mm). Die Linsen wurden von Grandt aus Glas des im Kriege zerstörten Haifischbeckens des Berliner Aquariums geschliffen.

    Weitere Instrumente:

  • 6-Zöller von Reinfelder und Hertel
  • 4-Zöller-Äquatorial,
  • 6-Zoll-Spiegel
  • 2,5-Zoll Passageinstrument
  • 5-Zoll Kometensucher.
    Weitere Nebeninstrumente:
  • 8-Zoll-Spiegel mit einem Spiegel von P.Ehrlich, f=1600 mm
  • Mehrere 4-Zoll und 3-Zoll -Instrumente.


    Die 60er Jahre

    November 1961 Grundsteinlegung der neuen Sternwarte auf dem Insulaner.
    1962 Generalüberholung des Bamberg-Refraktors durch die Firma Askania, Berlin-Mariendorf.
    30.01.1963 Eröffnung der Sternwarte auf dem Insulaner mit 11m-Kuppel (Bamberg-Refraktor), 5m-Kuppel (6-Zoll-Schreiber-Refraktor) und Vortragssaal.
    15.11.1963 Grundsteinlegung des ZEISS-Planetariums der Wilhelm-Foerster-Sternwarte mit Lehrgebäude am Fuße des Insulaners.
    1963 Die Bibliothek besteht aus 3741 Bänden.
    07.08.1964 Der Verein hat jetzt 572 Mitglieder.
    16.06.1965 Eröffnung des ZEISS-Planetariums. (Planetarium am Insulaner)
    300 Sitzplätze bei Kuppeldurchmesser von 20m.
    Der Planetariumsprojektor ist ein Modell ZEISS IV mit über 4000 Sternen und besteht aus rund 29.000 Einzelteilen. (1969 umgebaut in Modell Vb)
    18.06.1965 Erste öffentliche Führung im Planetarium.
    1966 Der Verein hat jetzt 1540 Mitglieder.
    1966 Der 12-Zoll-Bamberg-Refraktor bekommt eine fahrbare Beobachtungstreppe. Die Treppe hat ein Gewicht von 718 kg und kostet 3.344 DM.
    1968 Neubau des 6-Zoll-Doppelrefraktors.
    1964-67 Die Mitglieder Giebler und Voigt erstellen den Berliner Mondatlas am Bamberg-Refraktor. Er enthält alle Mondphasen im Tagesabstand in 108 fotografischen Blättern und wird das Standardwerkzeug für jeden Mondbeobachter.


    Die 70er Jahre

    1971 Überlassung eines 75-cm-Metallspiegels durch die Sternwarte Mailand mit einer Brennweite von 5780 mm. Damit Neubau eines zerlegbaren Spiegelteleskops ganz aus Aluminium. Das gesamte Instrument hat ein Gewicht von nur 360 kg und ist transportabel. So kommt es u.a. 1973 bei der Sonnenfinsternis-Exkursion nach Mauretanien zum Einsatz.
    1972 Erste Erweiterung des Lehrgebäudes des Planetariums (optisches Labor).
    31.07.1972 Beginn des Baus einer 7m-Kuppel auf dem Insulaner.
    09.11.1973 Inbetriebnahme des 75-cm-Spiegelteleskops in der neuen 7m-Kuppel durch Bundespräsident Heinemann.


    Die 80er Jahre

    1980 Beginn des Baus des 50cm-Sonnenteleskops auf dem Flachdach des Planetariums.
    02.06.1980 Beginn der zweiten Erweiterung des Lehrgebäudes des Planetariums.
    (Bibliothek, Seminarraum, Verwaltung)
    20.10.1981 Abschluß der zweiten Erweiterung.
    1983 Der Verein hat jetzt 3109 Mitglieder, der höchste Stand in seiner Geschichte.
    (Stand 1997: 2009 Mitglieder)
    10.05.1988 Brand der Planetariumskuppel. Das Kupferdach und die Bestuhlung werden zerstört. Die technische Einrichtung kann gerettet werden.
    November 1988 Abschluß der Reparaturarbeiten nach dem Brandschaden.
    08.05.1989 Beginn der dritten Erweiterung des Lehrgebäudes des Planetariums.
    (Bibliothek, Werkstatt, Eingangshalle)
    29.06.1989 Inbetriebnahme einer digitalen Bildverarbeitungsanlage an einer microVAX II. Ein Novum in der Amateurszene.
    05.09.1989 Einweihung des 50cm-Wedel-Sonnenteleskops. Es hat eine Brennweite von 10,3 m und kann die Sonne als 10 m große Scheibe an die Kuppel des Planetariums projizieren.
    27.09.1989 Der erste Wilhelm-Foerster-Preis wird vergeben. Preisträger sind die Herren Voigt und Giebler für die Erstellung des Berliner Mondatlas.
    Die Verleihung erfolgt zum 100-jährigen Jubiläum des Bamberg-Refraktors.


    Die 90er Jahre

    03.05.1990 Abschluß der dritten baulichen Erweiterung.
    1990 Demontage des alten 75 cm Spiegelfernrohres. Es befindet sich heute als Leihgabe in einer Schule in Dahlewitz, südlich von Berlin.
    15.12.1990 Übergabe des neuen 75 cm RC-Spiegelteleskop mit 5,8 m Brennweite von ZEISS. Es ist computergesteuert und das lichtstärkste Teleskop in Berlin. Eingesetzt wird es sowohl im Führungsbetrieb als auch bei amateurastronomischen Beobachtungen. Es verkörpert die moderne Technik, wie sie heute weltweit in den professionellen Sternwarten eingesetzt wird.
    20.06.1990 Der zweite WFS-Preis wird vergeben an Martin Mayer, bekannt unter dem Namen Violau-Mayer für den Aufbau und Betrieb der Sternwarte in Violau. Die Verleihung erfolgt im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Planetariums.
    1991 Inbetriebnahme einer Laseranlage im Planetarium.
    März 1995 Das Programmheft des Vereins, in welchem alle Veranstaltungen in Planetarium und Sternwarte aufgeführt sind, erscheint in neuer Aufmachung unter dem Namen ALL-ZEIT.
    14.06.1995 Der dritte Wilhelm-Foerster-Preis wird vergeben. Preisträger ist der Amateurastronom Wolfgang Lille. Honoriert werden seine hervorragenden Sonnen-Beobachtungen. Die Verleihung erfolgt im Rahmen der Feier zum 30-jährigen Jubiläum des Planetariums.
    September 1995 Beginn der Reihe Hörspielkino unter dem Sternenhimmel mit dem ORB. (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg)
    Oktober1995 Das Programmheft erscheint als ALL-ZEIT ONLINE im WWW.
    Ergänzt wird es sowohl um permanente als auch um aktuelle Berichte aus der WFS, z.B. aus den Arbeitsgemeinschaften.
    Herbst 1995 Die monatlichen Vorführungen von Science-Fiction-Filmen mit den über 35 Jahre alten Kino-Projektoren für 35mm-Filme muß wegen des desolaten technischen Zustandes der Projektoren aufgegeben werden.
    Frühjahr 1996 Umfassende Sanierung der Sternwarten-Gebäude durch das Bezirksamt Schöneberg. (Beobachtungsplattform, Geländer, Vordach, Außenanstrich des Hauptgebäudes, Renovierung des Hörsaals).
    18.08.1996 Ein Kabelbrand vernichtet die Bildverarbeitungsanlage in der Spiegelkuppel der Sternwarte.
    September 1996 Beginn der General-Überholung des Bamberg-Refraktors von 1889 durch die Firma 4H-Jena-Engineering.
    Dezember 1996 Einrichtung eines E-Mail-Servers.
    Jedes Mitglied der WFS kann einen kostenlose E-Mail-Account erhalten.
    Betreut wird der E-Mail-Server von der Computer-AG.
    Frühjahr 1997 Die Bibliothek umfaßt 25.000 Bücher sowie 18.000 DIAs.
    10.02.1997 Die Gruppe Berliner Mondbeobachter feiert ihre 400-te Sitzung. Alle 400 Sitzungsprotokolle seit der Gründung der Arbeitsgruppe vor 41 Jahren (31.03.1956) sind in der Bibliothek der WFS aufbewahrt.
    Sommer 1997 Ausstattung der WFS mit neuer Bildverarbeitungstechnik auf PC-Basis.
    30.08.1997 Wiedereinweihung des restaurierten Bamberg-Refraktors
    22.10.1997 50-Jahr-Feier der WFS.


    (W.Tost, 10/97)