Ein Kurzportrait

1. Zur Geschichte

Gegründet 1947 als Wilhelm-Foerster-Institut, nahm die Sternwarte die Arbeit mit selbstgebauten Fernrohren von 7 und 8 Zoll auf einem Ruinengrundstück in der Nähe des S-Bahnhofes Papestraße auf. Ein Vortragsraum wurde eingerichtet, öffentliche Führungen wurden angeboten. 1953 wurde das Institut in den Verein Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. überführt, eine vom Land Berlin geförderte gemeinnützige Einrichtung. Als neues Hauptinstrument wurde der 12-Zoll-Bamberg-Refraktor (Baujahr 1889) der alten Urania-Sternwarte in der Papestraße aufgestellt. 1963 konnte die Sternwarte das neue Gebäude auf dem Insulaner beziehen: in der großen 11-m-Kuppel der Bamberg-Refraktor, in der kleinen Kuppel ein selbstgebauter 6-Zoll-Doppelrefraktor und auf der Plattform der alte 7-Zöller. 1973 kam mit dem im Eigenbau entstandenen 75-cm-Spiegelteleskop in der extra errichteten 7-m-Kuppel ein neues Instrument hinzu. Im Herbst 1990 wurde dort ein modernes ZEISS-RC-Teleskop installiert.

1965 konnte am Fuße des Insulaners das ZEISS-Planetarium mit einer 20-m-Kuppel und 300 Plätzen eröffnet werden. 1988 erhielt das Planetarium das in Eigenarbeit erstellte große "Wedel"-Sonnenteleskop mit einer Öffnung von 500 mm.

Im langjährigen Durchschnitt werden in Planetarium und Sternwarte seit 1965 mehr als 190.000 Besucher im Jahr gezählt.

2. Zum Programm

Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte gibt regelmäßig einen detaillierten Veranstaltungs- und Himmelskalender heraus, der jeweils drei Monate gültig ist. In Planetarium und Sternwarte werden vormittags Veranstaltungen für Schüler und Kindertagesstätten angeboten. Am späten Nachmittag und am Abend finden öffentliche Planetariumsveranstaltungen und Sternwartenführungen statt: Im Planetarium Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag 20 Uhr, Sonntag 17 und 20 Uhr, auf der Sternwarte jeweils im Anschluß an den Planetariumsbesuch und mit weiteren Führungsterminen je nach Jahreszeit. Im Planetarium wird jeden Monat ein neues Thema vorgestellt, natürlich auch der aktuelle nächtliche Sternenhimmel. Mittwochs gibt es um 20 Uhr populärwissenschaftliche Vortragsveranstaltungen mit Fachleuten aus der Wissenschaft. Beliebt sind auch die Musikabende unter dem Sternhimmel und die Vorführungen von Science-Fiction-Filmen. Die modern eingerichtete astronomische Bibliothek lädt zum Stöbern ein und hat für jeden Wissensstand die passende Lektüre: Sternkarten, Jahrbücher, Kataloge, Bibliographien, aktuelle Zeitschriften - aber auch einfache Werke zur Einführung in die Welt der Sterne. Regelmäßig finden Kurse statt für alle, die tiefer an der Astronomie interessiert sind. Sechs verschiedene Arbeitsgruppen von Amateur-Astronomen animieren zur aktiven Mitarbeit im Rahmen der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft.

3. Die Sternwarte

Der 1889 von der Firma Carl Bamberg in Berlin-Friedenau fertiggestellte Refraktor mit 314 mm freier Öffnung und 5.000 mm Brennweite steht als Haupt-Führungsinstrument in der 11- m- Kuppel der Sternwarte auf dem Insulaner. Das komplette Fernrohr mit seiner Montierung hat ein Gewicht von 4,5 Tonnen, kann jedoch leicht mit einer Hand bewegt werden. Bei öffentlichen Führungen kommen je nach Bedarf Vergrößerungen von 70-bis 700fach zum Einsatz. Auch die Amateur-Astronomen der Wilhelm-Foerster-Sternwarte stellen Beobachtungen mit diesem Instrument an. So wurde hier der berühmte "Berliner Mond-Atlas" erstellt, und systematische Sonnen- und Planetenbeobachtungen werden durchgeführt.

Der 15-cm-Doppelrefraktor mit einer Brennweite von 2.250 mm in der 5-m-Kuppel dient ausschließlich den Amateur-Beobachtungen. Eines der Objektive des Hauptrohres besitzt mit einem 3-linsigen ZEISS-B-Objektiv eine ganz herausragende Abbildungsqualität und Bildschärfe. Ein dritter Refraktor mit 125 mm Öffnung trägt ein HALLE-Lyot-Filter mit nur 0,5 Å Bandbreite und wird zur Sonnenbeobachtung im Licht des Wasserstoffs eingesetzt.

Das neue ZEISS RC-Spiegelteleskop, das im Herbst 1990 in der 7-m-Kuppel aufgestellt wurde, hat eine freie Öffnung von 750 mm, die Brennweite beträgt 5.600 mm. Das Teleskop hat eine ganz hervorragende Abbildungsqualität, die Antriebe sind voll rechnergesteuert. Es wird sowohl im Führungsbetrieb als auch bei Amateur-beobachtungen - besonders für die Astrophotographie - eingesetzt.

Somit stehen dem Sternwartenbesucher neben zahlreichen "kleineren" Teleskopen bis 200 mm Öffnung zwei große Instrumente zur Verfügung. Dabei ist der Bamberg-Refraktor ein Beispiel für eine "klassische" Sternwarte, während das große ZEISS-Spiegelteleskop ein Vertreter der Generation von Teleskopen ist, wie sie heute an modernen wissenschaftlichen Sternwarten eingesetzt werden.

Um auch die modernen astronomischen Beobachtungstechniken dem Besucher zu präsentieren, ist als technischer Leckerbissen in der Sternwarte ein digitales Bildverarbeitungssystem installiert. Dieses System erlaubt die Aufnahme von Bildern astronomischer Objekte mit Hilfe von Videokameras am Teleskop, die Auswertung, die Verarbeitung und das Speichern dieser Bilder mit einer Rechenanlage und die Übertragung der Bilder (z.B. einer Mondfinsternis) über ein Glasfaserkabel in die Planetariumskuppel.

4. Das Planetarium

Das Planetarium mit seiner 20- m-Kuppel gilt nach allgemeinen Sprachgebrauch als "Großplanetarium". Dort steht der ZEISS-Vb-Planetariumsprojektor (Baujahr 1965), der einen künstlichen Himmel mit über 4000 Sternen an die Kuppel projiziert. Dies ist Schwerpunkt der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. Neben der reinen Darstellung des Sternhimmels ist eine ganz wichtige Eigenschaft des Projektors die Möglichkeit, alle Bewegungsabläufe am Himmel zeitgerafft demonstrieren zu können. So kann z.B. die scheinbare Himmelsdrehung infolge der Rotation der Erde von den natürlichen 24 Stunden wahlweise auf 24, 12, 6, 4 oder 3 Minuten verkürzt werden. Der Ablauf eines Jahres kann in 12, 4 und 3 Minuten sowie in 11 Sekunden dargestellt werden. Die 26.000jährige Präzessionsbewegung der Erdachse wird bei Bedarf in 4 Minuten ausgeführt.

Da alle Getriebe miteinander gekoppelt sind, wird selbst bei der langsamsten Bewegung im Tagesgang die Jahresbewegung und auch die Präzessionsdrehung mitgenommen. Das bedeutet letztlich eine maximale Getriebeübersetzung von 1:156 Milliarden. Zusatzgeräte können Kometen, Sternschnuppen, Koordinatensysteme, Sternbildfiguren, Polarlichter, Sonnen- und Mondfinsternisse, künstliche Satelliten und vieles andere darstellen.

Ein besonderer Projektor zeigt am Himmel eine riesige sich drehende Erde aus der Sicht eines Astronauten, ein anderer den Anblick unseres gesamten Sonnensystems, so wie ihn ein Weltraumreisender aus einer Entfernung von 2 Milliarden Kilometern hätte.

Das Planetariumsinstrument mit seinen über 150 Projektoren besteht aus ungefähr 29.000 Einzelteilen, darunter ca. 170 Zahn- und Schneckenräder und 230 Kugellager.

Das komplette Gerät wiegt etwa 2,5 t und kann mittels einer hydraulischen Hebeanlage völlig versenkt werden, wenn der Kuppelraum für normale Vortragsveranstaltungen oder für Filmvorführungen genutzt werden soll.

Zahlreiche weitere Sonderprojektionsmöglichkeiten werden z.Z. eingebaut und sollen die Darstellungsmöglichkeiten erweitern und verbessern. Weiterhin besitzt das Planetarium eine echte Quadrophonie-Tonanlage, die Konzertansprüchen durchaus gerecht wird.

Als einmalige technische Besonderheit ist das 500-mm-"Wedel"-Sonnenteleskop (Brennweite 10.500 mm) mit einem Heliostaten auf dem Dach der Eingangshalle fest montiert. Mit Hilfe dieses in den Werkstätten der Wilhelm-Foerster-Sternwarte gebauten Vakuum-Teleskopes kann ein 7 m großes Bild der Sonne "life" in die Planetariumskuppel projiziert werden. Auch das Spektrum des Sonnenlichtes mit den dunklen Fraunhoferschen Linien kann gezeigt werden.

Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. ist mit ihrer gut ausgestatteten Sternwarte in unmittelbarer Nähe ihres Groß-Planetariums (nur 5 Minuten Fußweg) ein modernes astronomisches Volksbildungszentrum. Sie sieht sich als Vermittler zwischen den "in höheren Regionen schwebenden" Fach-Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. Sie bietet dem wissensdurstigen Besucher auf unterhaltsame Weise allgemeinverständliche Informationen aus der aktuellen Astronomie und Raumfahrt sowie die Möglichkeit, Himmelsobjekte aus eigener Anschauung kennenzulernen. Die Mitglieder dieser größten Volkssternwarte Deutschlands haben Gelegenheit, alle Einrichtungen der Wilhelm-Foerster-Sternwarte zu nutzen.

Kommen Sie zu uns, wir informieren und beraten Sie ! Und wenn Sie mehr Interesse haben … wir freuen uns immer über neue Mitglieder!

Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. mit Planetarium am Insulaner
Munsterdamm 90, 12169 Berlin, Telefon: 030 790093-0, Fax: 030 790093-12, Email